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FIA WEC – Mit dem Porsche 919 Hybrid zum Hochgeschwindigkeitskurs

Porsche 919 Hybrid, Porsche Team: Romain Dumas, Neel Jani, Marc LiebAm Fuße des Mount Fuji geht die FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft am 11. Oktober in ihre heiße Phase: Das Sechsstundenrennen auf dem berühmten Hochgeschwindigkeitskurs in den japanischen Alpen ist bereits der sechste von acht WM-Läufen. Porsche verfolgt mit den beiden Le-Mans-Prototypen 919 Hybrid ein klares Ziel: Tabellenführung in der WM weiter ausbauen. Derzeit liegt der Stuttgarter Sportwagenhersteller mit 220 Punkten an der Spitze der Herstellerwertung, gefolgt von Audi (184) und Toyota (101). In der Fahrerwertung hat ein Audi-Trio die Nase vorn. Aber die Porsche-Piloten Timo Bernhard (DE), Brendon Hartley (NZ) und Mark Webber (AUS) haben ihren Rückstand mit den jüngsten Siegen auf dem Nürburgring und im texanischen Austin auf zehn Punkte verkürzt. Sie haben jetzt 103 Zähler auf dem Konto. Ihre Teamkollegen Romain Dumas (FR), Neel Jani (CH) und Marc Lieb (DE) liegen mit 77,5 Punkten auf Platz drei.

Mit der längsten Geraden der Saison (1500 Meter), aber auch 16 teilweise sehr engen Kurven auf einer Gesamtlänge von nur 4,549 Kilometern ist der Fuji International Speedway bezüglich der Fahrzeugabstimmung extrem anspruchsvoll. 31 Rennwagen mit 86 Fahrern aus 19 Nationen sind in der WEC eingeteilt in vier Leistungsklassen. Der Porsche 919 Hybrid tritt in der Spitzenkategorie LMP1 (Le-Mans-Prototypen der Klasse 1) an und fungiert dabei auch als Entwicklungsträger für zukünftige Sportwagentechnologie. Den Antrieb übernehmen ein Downsizing-Vierzylinder-Turbobenziner mit zwei Litern Hubraum und ein Elektromotor, der von zwei Energierückgewinnungssystemen (Bremsenergie von der Vorderachse und Abgasenergie) gespeist wird. In Kombination ergibt das wegweisende und in der WEC einzigartige Antriebskonzept eine Systemleistung von rund 1000 PS.

Für den Porsche 919 Hybrid stehen seit dem Renndebüt 2014 vier Siege zu Buche: Interlagos 2014, Doppelsiege in Le Mans und auf dem Nürburgring 2015 sowie der jüngste Erfolg beim Sechsstundenrennen in Austin, Texas (USA). Bei den 13 insgesamt mit dem Prototypen bestrittenen Rennen startete neun Mal ein 919 von der Poleposition. In der laufenden Saison hat es noch kein anderes Auto als der 919 in die erste Startreihe geschweige auf die Poleposition geschafft.

2014 waren die beiden 919 in Fuji von den Plätzen zwei und drei gestartet. Im Rennen erreichten Bernhard/Hartley/Webber trotz eines frühen Plattfußes noch Platz drei – damals der zweite Podestplatz überhaupt für den 919. Obendrein fuhr Webber in 1.27,759 Minuten die schnellste Rennrunde. Dumas/Jani/Lieb wurden Vierte.

Stimmen vor dem Rennen: Fritz Enzinger, Leiter LMP1: „Es ist beeindruckend, wie wir in den zurückliegenden drei Rennen mit unserem Porsche 919 Hybrid von Sieg zu Sieg gefahren sind und bisher jedes Qualifying domiert haben. Aber der zurückliegende Einsatz in Austin hat uns auch daran erinnert, wie fragil der Erfolg mit einem solch komplexen Auto sein kann. Unser Ziel ist, die Führung in der Hersteller-Weltmeisterschaft weiter auszubauen und in der Fahrerwertung Boden gutzumachen.“

Andreas Seidl, Teamchef: „Im Vorfeld ist schwer einzuschätzen, wie leistungsfähig wir in Fuji sein werden. Der Speedway stellt mit der langen Geraden und dem von vielen Kurven geprägten weiteren Verlauf der Runde ganz eigene und widersprüchliche Anforderungen an das Fahrzeug. Vergangene Woche haben wir in Monza getestet; allerdings hauptsächlich im Hinblick auf das 2016er Auto.“

Alexander Hitzinger, Technischer Direktor LMP1: „Wir können ein engeres Rennen erwarten als zuletzt auf dem Nürburgring und in Austin, wo wir klar die Schnellsten waren. Denn dass in Fuji weniger Abtrieb benötigt wird, kommt dem aerodynamischen Set-up unserer Mitbewerber grundsätzlich entgegen. Allerdings werden wir unsere Aero-Abstimmung auch auf das geringere Abtriebsniveau anpassen.“

Fahrer Porsche 919 Hybrid (Nummer 17) Timo Bernhard (34, Bruchmühlbach-Miesau): „Das Rennen 2014 war mein erstes in Japan und ich habe es in sehr positiver Erinnerung, besonders unseren Podestplatz, über den wir uns damals unheimlich gefreut haben. Das Land gefällt mir ausgesprochen gut. Die Strecke hat einen eher rutschigen Asphalt und ist sehr facettenreich mit der langen Start-Ziel-Geraden und den engen Kurven zum Ende der Runde. Jetzt geht es in die heiße Phase der WM, und wir wollen Audi auch in der Fahrerwertung einholen.“

Brendon Hartley (25, Neuseeland): „Meine erste Japanreise im vergangenen Jahr war für mich eine fantastische Erfahrung. Die Rennstrecke ist ein Genuss, der Enthusiasmus der Fans ebenso, und nach dem Rennwochenende hatte ich noch ein paar tolle Tage in Tokio. Nachdem wir drei vom Auto Nummer 17 jetzt zwei Rennen hintereinander gewonnen haben, sind die Erwartungen entsprechend hoch, und ich bin zuversichtlich, dass wir sie erfüllen können.“

Mark Webber (39, Australien): „Ich habe Rennen in Fuji immer genossen, und ich liebe die Landschaft mit dem Mount Fuji im Hintergrund. Der Kurs hat Ikonen-Status für Sportwagenrennen, der Empfang durch die Porsche-Fans im vergangenen Jahr war großartig. Beim Start und in der Anfangsphase hatte ich ein gutes Duell mit einem Toyota. Trotz eines Plattfußes sind wir noch Dritte geworden und konnten uns die schnellste Rennrunde gutschreiben.“

Fahrer Porsche 919 Hybrid (Nummer 18) Romain Dumas (37, Frankreich): „Wir hatten jetzt in drei Rennen hintereinander Pech, weil es in Le Mans, auf dem Nürburgring und in Austin Schwierigkeiten mit unserem Auto gab. Ich wünsche mir einfach sehr, dass diese Strähne in Fuji endet.“

Neel Jani (31, Schweiz): „Es wird mein drittes Rennen in Fuji. Charakteristisch ist die lange Gerade, und da bin ich gespannt, ob – wie in Austin – die Audi an deren Ende schneller sind als wir. Das Wetter kann um die Jahreszeit in Fuji auch ein interessanter Aspekt werden. Wenn wir mit unserer Nummer 18 endich mal wieder problemlos durchs Rennen kommen, dann müsste das Resultat automatisch stimmen. Im Qualifying passt es ja auch, da hatten wir jetzt drei Mal die Poleposition.“

Marc Lieb (35, Ludwigsburg): „Die Atmosphäre in Fuji ist wunderschön. Die Fans sind begeistert und dabei geduldig, freundlich und höflich. Ich habe dort schon sehr coole Leute getroffen. Und Tokio gefällt mir auch supergut. Ich freue mich sehr auf Japan und auf die abwechslungsreiche Strecke.“

Porsche 919 Hybrid, Porsche Team: Timo Bernhard, Brendon Hartley, Mark WebberZahlen und Fakten: – Eine Runde auf dem Fuji International Speedway ist 4,549 Kilometer lang und hat 16 Kurven, zehn Rechts- und sechs Linkskurven.

– Der Porsche 919 Hybrid darf laut Reglement pro Runde höchstens 4,15 Megajoule elektrische Energie erzeugen und einsetzen. Gleichzeitig darf er maximal 1,262 kg Benzin pro Runde verbrauchen. Bei normalem Rennbetrieb (ohne Safety-Car-Einsatz) und einem vorgeschriebenen Tankinhalt von höchstens 67,4 Litern muss er spätestens alle 36 Runden nachtanken.

– Betankung und Reifenwechsel dürfen nur nacheinander durchgeführt werden. Beim Radwechsel dürfen nur zwei Mechaniker gleichzeitig arbeiten. Das dauert also viel länger als beispielsweise in der Formel 1.

– Ein Fahrerwechsel wird normalerweise nur vorgenommen, wenn auch neue Reifen gebraucht werden.

– Im Qualifying der WEC zählt die Durchschnittszeit der schnellsten Runden von zwei Fahrern für die Startposition.

– Der Porsche 919 Hybrid hat eine Systemleistung von rund 1000 PS. Über 500 PS leistet der Zweiliter-Vierzylinder-Turbo-Benziner, mehr als 400 PS steuert der von zwei Energierückgewinnungssystemen gespeiste E-Motor bei.

– Der Porsche 919 Hybrid beschleunigt in 2,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h und in 4,5 Sekunden von 0 auf 200 km/h.

– Es werden vier Sorten Reifen gefahren: profillose Slicks für trockene Strecke, ein ebenfalls profilloser Hybrid-Reifen mit weicherer Lauffläche für gemischte Bedingungen, „Wet“ und „Full Wet“ für starken oder extremen Regen. Der „Full Wet“-Reifen kann bis zu 120 Liter Wasser pro Sekunde verdrängen.

– Der Porsche 919 Hybrid wurde im Entwicklungszentrum der Porsche AG in Weissach konstruiert und gebaut. Dort arbeiten 230 Teammitglieder.

– Der Mount Fuji ist ein nicht erloschener Vulkan (letzte Eruption 1707) und mit 3.776 Metern der höchste Berg Japans. Er gilt als heilig.

– Die Rennstrecke liegt rund 100 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Tokio auf der japanischen Hauptinsel Honshu.

– Die Rennstrecke wurde 2005 sicherheitsrelevant modernisiert und war 2007 und 2008 auch wieder Austragungsort von Formel-1-Rennen.

– Von 1982 bis 1988 hatte die Sportwagen-WM einen Lauf in Fuji. 1983 fuhr Stefan Bellof in einem Porsche 956 die schnellste dort je gemessene Runde in 1:10.02 Minuten – allerdings auf dem alten Kurs, der nur 4.360 km lang war.

– 2014 fand das Rennen auf trockener Strecke statt. Aber das Wetter ist in den japanischen Alpen um diese Jahreszeit oft unbeständig. Es kann zu Starkregen kommen wie 2013, als das WEC-Rennen nicht ausgetragen werden konnte. Legendär ist der Regenguss von 1976, der Niki Lauda aufgeben ließ, der WM-Titel ging deshalb an James Hunt.

TV: Das Sechsstundenrennen startet am Sonntag, 11. Oktober, um 11:00 Uhr Ortszeit (04:00 Uhr MESZ). Der TV-Sender Eurosport überträgt das gesamte Rennen sowie die Siegerehrung live. Das Live-Bild über die kompletten sechs Stunden inklusive Zeitnahme und zusätzlichen Informationen kann auch über die kostenpflichtige FIA WEC-App empfangen werden.

Zeitplan LMP1: Freitag, 9. Oktober: 11:15 – 12:45 Freies Training 14:00 – 14:30 FIA-WEC-Pressekonferenz (mit Mark Webber) 15:30 – 17:00 Freies Training Samstag, 10. Oktober: 09:50 – 10:50 Freies Training 14:10 – 14:30 Qualifying LMP1 & LMP2 14:40 – 15:10 FIA-WEC-Pressekonferenz 15:10 – 15:25 FIA-WEC-Fahrer „Mixed Zone“ im Pressezentrum 15:30 – 16:00 Porsche LMP1 Meet the Team für Medien Sonntag, 11. Oktober: 09:00 – 09:30 Autogrammstunde 11:00 – 17:00 Rennen 17:15 – 17:45 FIA-WEC-Pressekonferenz Pressemitteilung Porsche]]>

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